
Auch dieses Jahr haben wir die internationale Goldschmiede-Messe in Vicenza besucht. Ein guter Überblick über neue technische Entwicklungen ist wichtig für ein Unternehmen. Und ein regelmäßiger Tapetenwechsel ist ganz bestimmt überlebenswichtig für kreative Menschen. Um mein schönheitshungriges Gehirn ordentlich zu füttern, haben wir natürlich wieder in Venedig übernachtet. Und da hatte die Stadt diesmal ein ganz besonderes optisches gustoso für mich parat: Da wir aus Termin- Bahn- und Fluggründen stets nach Sonnenuntergang eingetroffen und vor Sonnenaufgang aufgebrochen sind, gabs konsequent VENEDIG BEI NACHT. Muss man erleben. Die Stille, nur unterbrochen vom leichten Schwappen des Wassers, die extra dunkle Dunkelheit, die sich um ein paar funzelige Laternen wickelt. Und dann biegt man um eine Ecke und wird plötzlich von einem bunten erleuchteten Kirchenfenster angestrahlt, oder von einem krach-kitschigen Kronleuchter, der seine Blitze durch ein gotisches Palazzo-Fenster schleudert.
Mit dieser prachtvollen Bilderwelt im Kopf, war abzusehen, dass ich im Steinbereich der Messe hilfloses Opfer einer passenden Edelstein-Auslage wurde. Und da waren sie: eine Partie feinster Saphire in verschiedenen Farben und mit einem ganz besonderen uralten Schliff: eine komplett unregelmäßige Grundform kombiniert mit einer durch spezielle Facetten glitzernd geschliffenen Oberseite. Fachleute nenne diesen Schliff auch „Rosenschliff“
Ursprünglich wurde der Rosenschliff für Diamanten entwickelt, wann genau, darüber streiten sich die Gelehrten. Auf jeden Fall in einer Zeit, in der die Schleiftechnik noch nicht so ausgereift war und Diamanten um ein hundertfaches seltener aus heute. Also vor der Entdeckung der große Afrikanischen Vorkommen. Beim Rosenschliff wird der Rohstein nicht, wie man das sonst kennt, in einen Glitzerstein geschliffen, der oben eher flach ist und unten eine größere Spitze hat, sondern der resultierende Schmuckstein ist unten flach und hat oben eine facettierte Kuppel. Die Grundform sollte eigentlich symmetrisch rund, oval oder tropfenförmig sein. Diesen Schliff findet man viel bei antiken Schmuckstücken und nach meiner Erfahrung war der selten wirklich symmetrisch. Logisch: wenn der Rohstein nicht symmetrisch ist, muss viel davon abgeschliffen werden, was nicht nur kostbares Material pulverisierte, sondern auch weitere Stunden mit krummem Rücken an einer fußbetriebenen Schleifscheibe bedeutete. Heute werden Diamanten vorzugsweise im Brillantschliff geschliffen, da sie dann mehr funkeln und elektrisch betriebene Schleifscheiben den Schleifer schonen. Aber der Rosenschliff rückt allmählich wieder in den Fokus. Ich mag ihn sehr, vor allem -ganz neu- für Farbsteine. Mir gefällt die hohe Materialausnutzung, die ich nachhaltig finde. Die unregelmäßige Form und das ganz besondere tiefe Funkeln versetzen mich beim Betrachten in eine längst vergangene Zeit, in prachtvolle Paläste mit goldbestickten Gobelins und kostbaren Weinkaraffen.
„Meine“ Saphir-Rosen habe ich ganz schlicht in Weißgold und Rosegold gefasst und ganz viel Zeit in die Farbauswahl gesteckt. Und bin wirklich gespannt an was Sie so beim Betrachten denken.
Ihnen einen guten Start in den März
Herzliche Grüße
Ihre Viola und Michael Bergmann